Auf Empfehlung eines gemeinsamen Bekannten vertraute mir Rainer vor einiger Zeit nicht nur sein eigenes Jugendrad, sondern als Folgeauftrag auch das Rad seiner Tante Lini zur Restauration an.
Damit traf er genau den richten Nerv bei mir: Wenn es nämlich darum geht, das Vermächtnis einer nahestehenden Person oder Geschichte im Allgemeinen für die Nachwelt zu erhalten.
Auch bei Tante Linis Taifun ging es darum, Schmutz- und Ölschichten von rund 70 Jahren behutsam zu entfernen, ohne die Patina zu zerstören. Dies gelang mir dank Trockeneisstrahlen und zusätzlicher manueller Reinigung – schöner und besser geht’s eigentlich nimmer.
Anschließend wurden kaputte oder unzeitgemäße Teile durch typgerechte Ersatzteile aus meinem reichhaltigen Fundus ersetzt. Im jetzigen Zustand ist das Rad wieder für den Alltag voll funktionstüchtig – auch wenn es einer StVO-Prüfung etwa aufgrund fehlender Reflektoren nicht standhalten würde.
Bei einem solchen Projekt handle ich stets nach der Devise: „So wenig wie möglich, so viel wie notwendig.“ In folgendem Zustand hab ich das Rad übernommen:





Und in diesem Zustand hab ich es retourniert:





Ohne genauere Recherche lässt sich über dieses Rad sagen, dass es aufgrund einiger Merkmale (Lenkerrohr-Durchmesser, kurzer Vorrad-Kotflügel, Wulstreifen, massives Messing-Emblem am Steuerkopf) aus den 30er-Jahren stammen dürfte.
Solche Aufträge bedeuten viele Stunden Arbeit, aber eigentlich hat mir Rainer mit seinen zwei historischen Rädern eine besondere Freude gemacht. Ich konnte meine Expertise und meinen Ersatzteil-Fundus voll einbringen und weiß, wie sehr beides wertgeschätzt wird.