Stählernes Schlachtross

Ein Projekt, das mir besonders viel Vergnügen bereitet hat, war die Revitalisierung des hier beschriebenen Schweizer Militär-Velos von 1945. Dieses sogenannte Ordonnanz-Rad 05 ist in vielerlei Hinsicht ein bemerkenswertes Exemplar meiner Sammlung – doch bevor ich darauf im Detail eingehe, seien kurz noch paar wesentliche Eckdaten zur Rad-Geschichte der Schweizer Armee geschildert.

Bereits ab 1892 kamen die ersten Radfahrertruppen zum Einsatz. Anfangs bestanden diese nur aus Männern, die auch die eigene „Fahrmaschine“ stellen konnten. Die Funktion der radelnden Soldaten beschränkte sich zunächst auf den Meldedienst. Ab 1904 übernahm dann der Bund die Beschaffung und das „Normalrad“ tritt auf den Plan. 1924 erfolgte dann die Umwandlung in Gefechtstruppen, indem die Radler ein leichtes Maschinengewehr verpasst bekamen. Der Gefechtstauglichkeit ist auch geschuldet, dass das Rad äußerst robust ist und beinahe 22 kg auf die Waage bringt.

Als erste Finesse fällt auf, dass das Rad komplett zerlegt werden kann (auch die Hinterbaustrebe ist „nur“ verschraubt) und damit sehr reparaturfreundlich ist. Eine Besonderheit ist jedenfalls auch, dass das Modell über drei Bremsen verfügt, wobei die Böni-Trommelbremse eine der wenigen Modifikationen in der langen Bauzeit (1905 bis 1988, Firma Condor, CH) darstellt. Lenker- und Sattelposition sind vielfältig variierbar, wodurch das Rad auch für unterschiedliche Körpergrößen und Beinlängen nutzbar ist.

Das mir zugefallene Modell ist ein Baujahr 1945 (ersichtlich an der Sattelkopfmuffe) und erfreulicherweise noch im Originalzustand. Sogar die Staubschutzkapperl inklusive Kettchen befinden sich noch an den Ventilen. Es fehlen lediglich die kleine Ledertasche, aber auch dieses Detail wird sich wohl noch auftreiben lassen. Dass das Baujahr noch in die Kriegszeit fällt, wird auch daran deutlich, dass die Naben nicht verchromt, sondern schwarz lackiert sind. Wirklich faszinierend an dem Rad ist, wie massiv und hochwertig alle Teile gefertigt sind – kein Wunder also, dass Insider auch heute noch auf seine Unverwüstlichkeit schwören.

Und so sieht es aus, das legendäre Militär-Velo:

Mein herzlicher Dank gilt Stefan Novak (mowetz.at) für den Tausch dieses Schmankerls gegen andere historische Kuriositäten aus meinem Fundus!